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"Morgen, Kermit. Bist du jetzt zum Katzensitter aufgestiegen?", wurde der Detective am anderen Morgen von Jody begrüßt. Ein sichtlich übernächtigter Kermit schoss ihr nur einen zornigen Blick zu, eilte in sein Büro und warf die Türe mit einem lauten Knall hinter sich zu. Sämtliche Anwesenden im Revier zogen automatisch ihre Köpfe ein. Mitleidige Blicke trafen Jody. Alle wussten, wie schwer mit Kermit zurecht zu kommen war, wenn er mal wieder eine seiner Launen hatte. Am Besten ließ man ihn dann ganz in Ruhe und hielt einen Sicherheitsabstand von mindestens zwei Metern ein, wollte man nicht in Gefahr geraten, von Kermit angegriffen zu werden. Sei es verbal oder auch körperlich. Mary Margaret wandte sich an Jody. "Autsch", lautete ihr Kommentar dazu. Jody warf Mary Margaret einen Blick zu, der alles bedeuten könnte. "Oh Mann, und ich bin diejenige, die sich in die Höhle des Löwen begeben muss. Wünsch mir Glück." Mary Margaret klopfte Jody aufmunternd auf den Rücken. "Viel Glück, du schaffst das schon. Und sollte Kermit dir etwas antun, dann schrei laut, damit wir alle rechtzeitig die Flucht ergreifen können", scherzte sie. "Na, du bist mir eine Freundin", gab Jody geschlagen zurück, bevor sie sich erhob und ihre Akten in die Hand nahm, die sie für das Meeting mit Kermit benötigte. Die blonde Detektivin klopfte zögerlich an Kermits Türe. Ein schroffes "Herein" ertönte. Jody holte tief Luft, bevor sie die Türe öffnete und in sein Büro schlüpfte. Kermit sah nicht von seinem Keyboard auf, als sie sich in den Besucherstuhl setzte. Jody wartete ein paar Minuten, doch da Kermit keinerlei Anstalten machte, ihre Anwesenheit zu honorieren, beschloss sie mit dem Reden anzufangen. "Es wurden heute Nacht zwei weitere Tote gefunden. Einer in der Nähe von Pier 11 und der andere am Rand von Chinatown. Zeugen gibt es angeblich keine. Wir sind um elf Uhr mit Nickie verabredet. Er meinte, bis dahin kann er uns mehr Informationen geben, diesmal sind die Opfer nämlich noch nicht identifiziert. Das, was wir bis jetzt wissen, habe ich hier in den Akten." Kermit warf Jody einen kurzen Blick zu. "Und warum sitzt du hier auf dem Stuhl und belästigst mich, wenn du woanders sein sollst?", erkundigte er sich sarkastisch. Jody verdrehte die Augen und streichelte Clumsy, die es sich auf ihrem Schoß gemütlich gemacht hatte, abwesend hinter den Ohren. "Weil der Captain will, dass wir BEIDE zu Nickie fahren und du außerdem noch einen Blick in die Akten werfen sollst. Vielleicht kannst du schon etwas heraus bekommen. Außerdem sind es bis elf Uhr noch zwei Stunden." Kermits Antwort war unverständlich, er streckte die Hand aus und Jody reichte ihm die Akten, die er kurz durchblätterte. Seine Augenbrauen zogen sich unheilverkündend nach oben. "Und was soll ich mit diesem Schrott anfangen? Da steht nicht mehr drin als der Fundort und eine kurze Beschreibung der Opfer. Solange du nichts spezifischeres hast, kann auch mein Computer nicht weiterhelfen. Die Beschreibung trifft auf ungefähr die Hälfte aller männlichen Bewohner von Sloanville zu. Mit so etwas musst du nicht meine Zeit verschwenden, ich habe wahrlich wichtigeres zu tun", sagte er roh. Jody sprang von ihrem Stuhl hoch und fing die Akte auf, die er ihr entgegen warf. "Oh Mann, du hast heute eine Laune, die ist ja wirklich toll", rutschte es ihr heraus. Gefährlich leise antwortete Kermit: "Dann mach einen Abgang, bevor sich meine Laune durch deine Anwesenheit noch mehr verschlechtert." Aufgrund seines Tonfalls hielt es Jody für besser, dieser Aufforderung nach zu kommen, nicht ohne mit ihrem Schicksal zu hadern. Warum hatte der Captain ihr ausgerechnet Kermit zugeteilt? Was hatte sie verbrochen? Mary Margaret blickte ihr von ihrem Schreibtisch entgegen. "Und, wie ist es gelaufen?", erkundigte sie sich. "Ich lebe noch. Willst du Einzelheiten hören?", erwiderte Jody scharf. Mary Margaret hob die Hände in einer defensiven Geste hoch. "Uhu... nicht nötig. Dein Gesichtsausdruck sagt mir alles. Am Besten ist wohl, wenn wir Kermit heute vollkommen ignorieren was?" Jody seufzte leise. "Wenn ich das nur könnte." *************** Gegen zehn Uhr betrat Cara das Revier. Mary Margaret entdeckte die frischgebackene Ladenbesitzerin, als diese mit Broderick redete. Sie erhob sich von ihrem Schreibtisch und kam direkt auf sie zu. "Hallo Cara, wie geht es dir?", begrüßte sie sie, während sie ihren Arm ergriff und sie von Broderick weg, in eine ruhige Ecke, zog. "Hallo, Mary Margaret. Danke, gut", erwiderte Cara, dabei einen ziemlich schuldbewussten Eindruck machend. Skalany beäugte sie eingehend. "Hast du schon mit Peter geredet?" "Wie man es nimmt. Gestern Abend bin ich auf ihn los gegangen, heute Morgen habe ich dann tatsächlich mit ihm geredet. Ich wusste nicht, dass er bei dir gewesen ist." Mary Margaret betrachtete sie mit großen Augen. "Du bist was? Ausgerechnet du, die Sanftheit in Person?" Cara senkte schuldbewusst den Blick. "Leider, ich habe mir solche Sorgen um ihn gemacht, als er sich den ganzen Tag nicht gemeldet hat, dass ich die Beherrschung verloren habe und auf ihn los ging. Ich hätte ihm freiweg die Augen ausgekratzt, wenn Kermit nicht dazwischen gegangen wäre." "Aha, alles klar", erwiderte Mary Margaret. Nun fügte sich auch das letzte Puzzlestückchen in die Reihe, daher hatte Kermit heute so schlechte Laune und Caras Kätzchen mit dabei. "Was meinst du mit alles klar?", hakte
Cara nach. Cara ließ betrübt den Kopf hängen und seufzte. "Du hast ja recht. Konnte ich denn wissen, dass ihn Kermits Bemerkung dermaßen getroffen hat? Zum Teil ist Peter ja auch selbst Schuld. Der Scherz, den er sich leisten wollte, ist nun mal gründlich nach hinten los gegangen." "Das kannst du laut sagen. Allerdings solltest du Peter inzwischen soweit kennen, als dass er sich solche Bemerkungen immer sehr zu Herzen nimmt. Du kannst dir nicht vorstellen wie überrascht ich war, als Peter vor meiner Türe auftauchte und mich fragte, ob er wirklich so ein übler Kerl sei. Ich bin fast aus den Pantoffeln gekippt." Cara konnte sich das lebhaft vorstellen. Der Hauch eines Lächeln zeigte sich auf ihren Lippen. "Na da ging es dir genauso wie mir, als er die Nacht vorher betrunken an meiner Türschwelle auftauchte. Ich bin nur froh, dass sich die Sache bereinigt hat. Anscheinend war Kermit gestern Abend schon bei ihm und die beiden haben sich ausgesprochen, mehr wollte er mir nicht verraten. Ich habe mich bei Peter schon entschuldigt. Tja und Kermit, der ist sicher auch nicht gut auf mich zu sprechen..." Skalany lächelte ihr aufmunternd zu. "Da fällt mir ein Stein vom Herzen, dass sich das mit euch dreien wieder eingerenkt hat. Ihr seid ab und an ein richtiges Chaostrio, wenn ich das mal so uncharmant ausdrücken darf." Cara ging nicht näher auf die Bemerkung ein. Sie machte eine Kopfbewegung in Richtung von Kermits Büro. "Ob sich alles wieder einrenkt, wird sich erst dann herausstellen, wenn ich bei Kermit war. Ist er sehr sauer?" "Was soll ich dir darauf antworten? Am besten mit dem, was ich Jody vorhin schon sagte: sollte Kermit dir etwas antun, dann schrei laut damit wir alle rechtzeitig die Flucht ergreifen können." Cara zog eine Augenbraue nach oben. "So schlimm?", fragte sie. "Schlimmer...er hat Jody im hohen Bogen aus seinem Büro geworfen." "Aua, das hört sich nicht gut an." Cara straffte sich. "Aber was soll es, ich muss da trotzdem durch. Je früher ich es hinter mir habe, desto besser und danke Mary Margaret, du weißt schon." Die langhaarige Detektivin lächelte. "Schon gut, das habe ich gern getan. Peter ist auch ein Freund von mir, wie du weißt." Sie gab Cara einen leichten Schubs an der Schulter. "Nun geh schon und bringe es hinter dich." Cara klopfte leise an Kermits Bürotüre. Auf sein "Herein" trat sie ein, schloss ebenso leise, wie sie geklopft hatte die Türe, wohl wissend, dass ihr sämtliche Augenpaare des Reviers folgten. Kermit schaute kurz auf. Als er Cara erkannte, stoppte er sein frenetisches Tippen, verschränkte die Arme vor der Brust und warf ihr über den Rand seiner dunkelgrünen Brille einen kalten Blick zu. "Sieh an, sieh an, wenn das nicht Cara ist. Schön, dass du dich an deine Pflichten erinnerst, die du gegenüber diesem Tier hast", meinte er sarkastisch. Er deutete auf Clumsy, die in diesem Moment auf den Schreibtisch gesprungen war. Cara streckte die Hand nach dem Kätzchen aus, doch Clumsy drehte sich einfach um und wandte sich demonstrativ von ihr ab. Machte ihr so deutlich, wie wenig sie es schätzte, einfach bei einem "Fremden" zurück gelassen zu werden. Ein trauriger Ausdruck stahl sich in Caras Augen. Sowohl das Verhalten von Clumsy als auch die offensichtliche Ablehnung von Kermit ging ihr ziemlich nahe. Dagegen war das Gespräch mit Peter eine Kleinigkeit gewesen. Er hatte ihr sofort verziehen und sie konnten offen über die Vorkommnisse reden. Mit leicht zitternder Stimme schaffte sie es schließlich zu sagen: "Es tut mir sehr leid, wie ich mich gestern Abend benommen habe, Kermit. Ich weiß nicht was in mich gefahren ist und ich will mich in aller Form bei dir entschuldigen, weil ich meine miserable Laune auch an dir ausgelassen habe. Bei Peter habe ich mich ebenfalls schon entschuldigt." Kermit tat seine schroffe Bemerkung fast leid. Der Ausdruck in Caras Augen ging ihm näher als er es sich eingestehen wollte. Allerdings war er in zu schlechter Stimmung um das hier und jetzt auszudiskutieren. "Okay, deine Entschuldigung ist angenommen. Nun nimm deine Katze und geh wieder, ich habe im Moment keine Zeit." Cara senkte beschämt den Kopf und griff nach der widerstrebenden Clumsy, drückte sie trotz ihrer Gegenwehr fest an sich. Ihr Wunsch danach auch mit Kermit alles zu bereinigen, brachte sie dazu die Einladung auszusprechen: "Vielleicht magst zu heute Abend zu mir kommen. Ich koche uns etwas, dann können wir reden?" "Das weiß ich noch nicht, wahrscheinlich werde ich hier lange beschäftigt sein. Ich melde mich bei dir." Mit diesen Worten wandte er seine Aufmerksamkeit wieder dem Bildschirm zu, tippte weiter und entließ Cara so ziemlich effektiv. Als die junge Frau die Türe hinter sich schloss, stieß Kermit den Atem aus der Lunge. Es war ihm gar nicht bewusst gewesen, ihn angehalten zu haben. Einen Moment überlegte er, ob er ihr nachgehen sollte. Sie hatte sehr niedergedrückt gewirkt, als sie regelrecht wie ein geprügelter Hund aus der Türe geschlichen war. Vielleicht war er doch ein wenig zu hart mit ihr umgesprungen. Immerhin, als so schlimm hatte er die gestrige Situation nicht empfunden. Was ihn viel mehr aufgeregt hatte war, dass sie ihm das Telefon einfach aufgelegt hatte, und dass er sich um Clumsy hatte kümmern müssen, die ihn fast die gesamte Nacht wach gehalten hatte mit ihrem herzerweichenden Maunzen. Die Entscheidung wurde Kermit abgenommen, als es erneut an seiner Türe klopfte und Jody den Kopf herein streckte, um ihm mitzuteilen, dass es Zeit zur Abfahrt wurde. *********** Kurze Zeit später waren sie zu Nickie unterwegs. Die dicke Luft im Wagen konnte man fast. Jody hatte sich so dicht wie es ging gegen die Beifahrertüre gedrückt, in dem hoffnungslosen Unterfangen, ein wenig mehr Abstand zwischen sich und diesem schweigsamen, im Moment äußerst gefährlich wirkenden Mann zu bringen. Selten war sie so froh darüber gewesen, das Gebäude des Leichenschauhauses in Sichtweite kommen zu sehen wie heute. Bald darauf erreichten sie die Leichenhalle, in der Nickie schwer beschäftigt zu sein schien, denn er schaute nicht hoch, als das ungleiche Paar den Raum betrat. Jody fasste sich ein Herz und machte den Anfang. Sie kannte Nickie gut genug und wusste, dass der Pathologe alles um sich herum vergessen konnte, wenn er arbeite. "Hallo Nickie. Wir sind hier, hast du schon etwas gefunden?", sagte sie. Nickie zuckte zusammen und ließ vor Schreck das Diktiergerät fallen, das er in der Hand gehalten hatte. "Hast du mich erschreckt Jody. Ich habe euch nicht herein kommen gehört und Tote, tja, die reden im Normalfall nicht." "Habt ihr nun genug Höflichkeitsfloskeln ausgetauscht, damit wir endlich zur Sache kommen können? Ich habe nicht den ganzen Tag Zeit", kam es schroff von Kermit. Nickie trat unwillkürlich einen Schritt zurück. Dieser Mann war ihm einfach unheimlich, er jagte ihm Angst ein, mit seinem Benehmen und seinem ganzen Wesen. Peter Caine war ihm da immer wesentlich sympathischer gewesen, doch dieser befand sich leider nicht mehr in der Truppe. "N...natürlich", stotterte Nickie. Jody, die versuchte das unmögliche Benehmen ihres Partners zumindest ein wenig wieder gut zu machen, schenkte dem Mediziner ein strahlendes Lächeln, das ihn prompt erröten ließ. "Also, was hast du für uns, Nickie?" "Leider noch nicht allzu viel. Woran die drei Opfer gestorben sind, kann ich bei keinem mit absoluter Sicherheit sagen. Allem Anschein nach, haben alle einen Herzinfarkt erlitten, doch ich bin mir nicht sicher, ob das tatsächlich die Todesursache gewesen ist. Vor knapp einer halben Stunde sind übrigens noch zwei weitere Opfer eingeliefert worden, aber die konnte ich mir noch nicht anschauen." Jody warf Nickie einen seltsamen Blick zu. "Was meinst du denn nun damit? Ich meine, wenn jemand einen Herzanfall hat, dann führt das meistens zum Tode, vor allem wenn man nicht mehr atmet und das Herz still steht." Nickie krümmte sich unbehaglich. "Ja schon, es kommt mir nur äußerst seltsam vor. Keines der Opfer hat irgend welche Anzeichen, die auf Gewalteinwirkung schließen lassen. Alle befanden sich laut Bericht ihres Hausarztes bei guter Gesundheit. Eine Autopsie hat außer einer trockenen Schleimhaut bei zwei von ihnen auch nichts weiter ergeben. Allerdings haben sie doch etwas gemeinsam und daher habe ich bei ihnen eine Blutprobe entnommen, was üblicherweise eigentlich nicht getan wird. Das Ergebnis müsste eigentlich jeden Moment fertig sein. Man hat mir versprochen, es sofort zu schicken, wenn das Labor damit fertig ist." "Ja, ja, ja", ließ sich Kermit vernehmen. "Und was war es nun, was alle drei angeblich gemeinsam haben? Ich könnte ungemütlich werden, falls du vorhast, uns weiter auf die Folter zu spannen." Nickie hielt in einer abwehrenden Geste die Hände hoch. "Schon gut. Es kann auch nichts bedeuten, aber seltsam ist es schon." Kermit trat einen Schritt näher auf den Pathologen zu, was ihn veranlasste, den nächsten Satz förmlich heraus zu brüllen. "Rote Fußsohlen, alle drei haben rote Fußsohlen." Kermit erstarrte mitten in der Bewegung, man konnte förmlich sehen, wie sich seine düstere Stimmung noch mehr verschlechterte. "Rote Fußsohlen? Sag mal, Nickie, willst du uns jetzt veräppeln oder was? Ich bin nicht in der Stimmung, mir Märchen vom Pferd anzuhören. Oder kannst du mir mal erklären, was rote Fußsohlen mit ihrem Tod zu tun haben sollen?", sagte er, wobei seine Stimme bei jedem Wort ein wenig leiser und bedrohlicher wurde. Jody, die merkte, dass Kermit kurz davor stand, dass ihm das Temperament durchging, trat schnell zwischen die beiden Männer, obwohl ihr bei dieser Tat auch nicht gerade sehr wohl war. Im Stillen hatte sie gehofft, dass Caras Erscheinen auf dem Revier Kermits Laune ein wenig bessern würde, doch leider war das nicht der Fall gewesen. Und sie und Nickie mussten nun seine fürchterliche Laune ausbaden. Bevor sie auch nur einen Ton hervor bringen konnte, wurde die Türe erneut aufgerissen und ein Bote vom Labor erschien in der Türöffnung. Den beiden Detectives kurz zunickend, ging er schnurstracks auf Nickie zu, überreichte ihm die Unterlagen und verschwand genauso eilig, wie er gekommen war. Nickie, der froh war sich mit irgend etwas anderem beschäftigen zu können, außer auf diesen großen düsteren Mann vor sich zu starren und zu überlegen was er als nächstes vor hatte, stürzte sich regelrecht auf die Unterlagen, die der Bote gebracht hatte. Mehrere Minuten verstrichen, während der Gerichtsmediziner las. Seltsamerweise wurde er weder von Jody noch von Kermit unterbrochen. Als Nickie den Kopf wieder hob, sah man seiner Miene an, dass er nichts Gutes zu berichten hatte. "Das habe ich mir fast gedacht", murmelte er in seinen nicht vorhandene Bart hinein. "Elder!," kam es drohend von Kermit. Der verschüchterte Mediziner holte tief Atem, um das Ergebnis in Worte zu fassen. "Laut dem Laborbericht wurde im Blut von zwei der Leichen unter anderem Atropin, Skopolamin und Hyoszyamin gefunden. Die dritte Leiche war ohne Befund, was aber auch nicht weiter verwunderlich ist." "Und was heißt das nun so übersetzt, dass auch Nichtmediziner es verstehen?" erkundigte sich Jody. "Diese drei Stoffe sind Inhalte, die aus der Tollkirsche gewonnen werden können. Schon eine mittlere Dosis genügt und derjenige, der diese Stoffe zusammen, ob bewusst oder unbewusst einnimmt, bekommt Halluzinationen, extreme Stimmungsschwankungen oder Tobsuchtsanfälle. Ein weiteres Anzeichen ist ein langsamer Pulsschlag, der sich bei Leichen leider nicht mehr feststellen lässt, sowie eine trockene Schleimhaut, wie ich sie bei den zwei Leichen gefunden habe, die diese Stoffe im Blut hatten. Je länger dieses Gift der Tollkirsche eingenommen wird, desto heftiger sind auch die Begleiterscheinungen. Also ist es gut möglich..." Nickie wurde von Jody unterbrochen, die tonlos hinzu fügte. "Dass man vor Schreck sterben kann, sprich ein Herzinfarkt bekommt." Nickie nickte bekräftigend. "Das hast du richtig erkannt." Kermit mischte sich ein. "Nun gut, nun hast du diese Stoffe in zwei der Leichen gefunden, aber was ist mit der dritten Leiche? Laut deiner Aussage haben alle drei rote Fußsohlen, ist das auch eine Nebenerscheinung davon?" "Nein, das ist es nicht. Ich habe ja keine Ahnung, wie dieses Gift in ihre Blutbahn gekommen ist. Ich für meinen Teil tippe da auf eine allergische Reaktion was die Füße anbelangt. Doch was es genau ist kann ich nicht sagen und ob es mit dieser Einnahme des Giftes in Zusammenhang steht oder nicht, kann ich auch nicht mit Sicherheit sagen. Es scheint aber zumindest so zu sein." Jody unterbrach Nickies Rede. "Willst du damit etwa andeuten, dass eine neue Designerdroge im Umlauf sein könnte?" "Darauf festlegen möchte ich mich nicht, aber es könnte sein. Zumindest was diese Anhäufung der Toten anbelangt. Die anderen beiden Opfer, die hier eingeliefert wurden, sind nämlich auch angeblich an einem Herzinfarkt gestorben", entgegnete Nickie. "Beantworte gefälligst meine Frage, die ich dir vorhin gestellt habe", warf Kermit unwirsch ein. "Warum wurden die Stoffe nur in zwei Leichen gefunden, warum nicht in der dritten?" Nickie schluckte unbehaglich, dabei hüpfte sein Adamsapfel hin und her. "Nun ja, das Gift der Tollkirsche hat, wie die meisten Stoffe, auch nur eine bestimmte Nachweisbarkeitsgrenze. Die Leiche, die als erstes hier eingeliefert wurde, war auch am längsten Tod. Im Klartext bedeutet das, dass das Gift nach einer bestimmten Zeit nicht mehr im Blut nachgewiesen werden kann, weil es sich abgebaut hat. Je nach Konzentration des Giftes kann das von ein paar Minuten bis zu mehreren Stunden dauern. Daher ist es absolut möglich, dass auch die Todesursache des ersten Opfers damit zusammen hängen kann, worauf wiederum diese roten Fußsohlen hindeuten würden." "Und was ist mit den anderen beiden Leichen, die hier eingeliefert wurden?", erkundigte sich Jody. "Ich hatte noch keine Zeit nach ihnen zu schauen", entgegnete Nickie. "Dann wird es Zeit, dass du es tust", mischte sich Kermit erneut ein. Der Pathologe drehte sich aufgrund Kermits Gebärden auf dem Absatz herum und wandte sich den frisch eingelieferten Leichen zu. Bei Beiden Opfern enthüllte er die Füße. Jody und Kermit traten hinter ihn, um besser sehen zu können. Alle drei sahen die roten Fußsohlen der Opfer, die nicht einmal in ihrem Tod sehr verblasst waren. Selbst Jody und Kermit fiel auf, dass so keine normalen Fußsohlen aussahen. Kermit seufzte tief. "Na super, fünf Tote innerhalb von zwei Tagen. So wie ich die Sache sehe, haben wir es langsam aber sicher mit einer Epidemie zu tun. Ich denke, es kann sich fast nur um eine neue Droge handeln. Wie würde das Zeug sonst so schnell unters Volk kommen? Und der einzigen Anhaltspunkt, den wir haben, sind diese vermaledeiten roten Fußsohlen, von denen wir nicht mal wissen, ob sie tatsächlich mit der Drogeneinnahme in direkter Beziehung stehen." Nickie zog es vor auf diese düstere Bemerkung lieber nicht einzugehen und meinte statt dessen: "Ich werde diesen beiden gleich eine Blutprobe entnehmen und sie ins Labor schicken, dann sehen wir bald, ob sie auch dieses Gift im Blut hatten." Das war das Stichwort für Jody und Kermit, die genug gehört hatten. "Okay Nickie, die Akten hier nehmen wir gleich mit und den Laborbericht dieser beiden schick uns dann, sobald du ihn hast, ins Revier", meinte Jody. "Mach ich, aber das kann ein paar Stunden dauern", warnte Nickie. "Das macht nichts, ich denke fürs Erste sind wir genug beschäftigt", entgegnete Jody. Mit einem letzen Winken zu Nickie eilte sie ihrem Partner hinterher, der schon die Leichenhalle verlassen hatte. Im Stillen murmelte sie vor sich hin: "Na Bravo, ich habe auch schon bessere Tage gesehen." Auf der Rückfahrt zum Revier hatte Jody mehr Glück und wurde von Kermits schlechter Laune verschont, da dieser schon am Telefon dem Captain einen Bericht abstattete, damit sie alles schnellstmöglich in die Wege leiten konnte. Oberste Priorität hatte es nun, diesen vermeintlichen, todbringenden Dealer zu finden und ihn zu stoppen.
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