2. Teil
Autor: Fu-Dragon

 

"Wie lautet dein Plan?"

"Also, ich habe gerade mit Captain Simms telefoniert. Eigentlich sah der Plan vor, dass wir uns außerhalb des Reviers treffen. Doch als ich ihr erzählte wie sehr du dich verändert hast, ich hätte dich ja selbst fast nicht wieder erkannt, ist sie der Meinung, dass wir uns genauso gut auf dem Revier treffen können. Dann hast du auch gleich einen besseren Überblick."

"Von meiner Seite aus geht das in Ordnung. Aber meinst du nicht das könnte zu gefährlich sein? Immerhin ist es ja möglich, dass ihr Büro überwacht wird."

Peter konnte ein leichtes Grinsen nicht unterdrücken. "Also in der Richtung musst du dir keine Sorgen machen. Blake hätte jede Wanze schon längst entdeckt und ausgeschaltet. Seitdem wir dieses Problem haben, wird das Revier beinahe jeden Tag unauffällig auf irgendwelche Abhörgeräte oder versteckte Kameras untersucht."

Jenna zuckte die Schultern. "Gut, dann ist ja alles klar."

"Fast! Ähem...könntest du dich vielleicht wie eine Nutte anziehen?"

"Wie bitte?" Ihr Blick sprach Bände.

Peters Grinsen wirkte beinahe teuflisch. "Wir brauchen doch eine Tarnung, und was ist besser als eine Hure, die der Hotshot Cop Peter Caine geschnappt hat und zum Verhör bringt?"

"Und wessen Einfall war das?"

"Du wirst es nicht glauben, aber der kommt vom Captain. Wenn du dich umgezogen hast, erkläre ich dir den Rest unseres Plans. Komm, ich zeige dir dein Zimmer. Reichen dir 20 Minuten?"

Jenna zuckte die Schultern und folgte ihm ergeben. "Wenn es sein muss."

Eine Viertelstunde später kam Jenna die Stufen herunter. Sie trug einen superkurzen schwarzen Mini, ein bauchfreies, enganliegendes Top, das ihre großen Brüste fast nicht halten konnte, dazu hochhackige Pumps und Netzstrümpfe. Die Haare hatte sie zu einer wilden Löwenmähne frisiert und auch das Make Up ein wenig verstärkt, dass es ihre ausdrucksstarken Katzenaugen betonte. Die Brille hatte sie oben im Zimmer gelassen.

Peter schnappte nach Luft als er sie sah.

"Und, nuttig genug?" erkundigte sie sich, nicht sicher ob sie die richtige Entscheidung getroffen hatte.

"Wow, das haut mich glatt um", lautete sein Kommentar.

Ein Hochziehen der Augenbraue war Jenna Erwiderung.

"Uh, ich meine: ja! Das ist perfekt. Ich hoffe nur, dass du so nie tatsächlich auf die Straße gehst, du würdest dich vor Verehrern nicht mehr retten können."

"Würde ich nie tun. Sehe ich denn aus wie eine Nutte?", fragte sie empört.

Im gleichen Moment wurde ihr bewusst, dass sie genau so aussah und sie prustete los. Das Lachen löste die deutliche Spannung, die eben noch im Raum gelegen hatte.

Nachdem sie sich einigermaßen beruhigt hatten, half Peter ihr galant in den Mantel und führte sie zum Stealth. Während der Fahrt erklärte er ihr den Plan, der zum heutigen Treffen gehörte und Jenna hörte ihm aufmerksam zu. Nachdem Peter sicher war, dass sie nicht verfolgt wurden, lenkte er den Wagen in eine dunkle Seitengasse und hielt an.

"Was soll das denn jetzt?", fragte Jenna.

Er grinste schräg. "Na ja...wir sind gleich beim Revier und es würde die Tarnung platzen lassen, wenn du mit Mantel und ohne Handschellen von mir ins Revier geführt werden würdest. Ich weiß ja nicht, wer um diese Zeit noch dort ist und es gibt nun mal Vorschriften, weißt du."

"Chauvi", lautete ihre Entgegnung.

Sie stieg kurz aus, schlüpfte aus dem Mantel und warf ihn auf den Rücksitz. Dann stieg wie wieder ein und wandte Peter den Rücken zu, damit er ihr die Handschellen anlegen konnte. Jenna konnte ein Zusammenzucken nicht unterdrücken, als sich der kalte Stahl um ihre Handgelenke schloss.

Aufmerksam wie Peter war, entging ihm das nicht. "Alles klar, Jenna?"

"Ja klar.. fahr schon weiter", entgegnete sie.

Schulterzuckend startete Peter den Motor, nachdem er ihr den Sicherheitsgurt umgelegt hatte und fuhr weiter. Jenna fühlte sich sehr unwohl mit ihren gefesselten Händen, es erinnerte sie viel zu sehr an jenen Abend, an dem Kermit mit ihr Entfesselung geübt hatte. Kurz war sie in Versuchung, sich einfach von den Fesseln zu befreien, doch dann würde Peter sicher eine Erklärung von ihr haben wollen, zu der sie nicht bereit war. Erst jetzt dachte sie daran, dass sie eventuell Kermit im Revier treffen konnte und dieser Gedanke bereitete ihr mehr als Unbehagen.

Peter spürte deutlich Jenna Unbehagen, als sie das Revier erreichten. "Jenna, wenn du der Meinung bist, dass du das nicht durchziehen kannst, dann fahren wir wieder und treffen uns mit Captain Simms an einem anderen Ort", meinte er besorgt.

Jenna riss sich zusammen. Sie hatte vergessen, dass auch Peter Shaolin war und ihre Stimmung wahr nehmen konnte. Fast augenblicklich brach sie die Verbindung ab und baute einen Schutzwall um ihre Gedanken auf.

"Nein, es ist alles in Ordnung, Peter. Lass uns die Show starten."

"Na gut, wie du meinst."

Peter half ihr aus dem Wagen und umfasste mit festem Griff ihren Oberarm. So führte er sie in das Gebäude und setzte sie auf den Stuhl gegenüber von seinem Schreibtisch.

Skalany schaute überrascht von den Papieren auf, die sie gerade bearbeitete. "Peter, was machst du denn hier? Heute ist doch dein freier Tag."

"Nicht mehr, Skalany. Ich habe hier ein süßes Früchtchen eingefangen, das mich angebaggert hat."

Jenna spielte ihre Rolle perfekt. Sie wirkte total entrüstet und warf ein. "Hey wer hat denn hier wen angebaggert? Ich bin eine anständige Frau und würde das, was sie mir vorwerfen niemals tun."

"Ja klar deshalb laufen sie auch bei dem Wetter so herum. Ihre Personalien bitte."

So ging das ein wenig hin und her, bis Peter ihr das verabredete Zeichen gab. Plötzlich schoss Jenna in die Höhe und fing an zu schreien und zu schimpfen. Sie tat so, als wolle sie Peter angreifen und der Streit eskalierte.

Eine Bürotüre wurde aufgerissen und Captain Simms trat in den Raum. "Was ist denn hier los Detective?", erkundigte sie sich mit stahlharter Stimme.

Peter, der eben den Arm um Jennas Taille geschlungen hatte und so tat, als würde er sie davon abhalten, Schlimmeres anzurichten, keuchte.

"Die Dame benimmt sich nicht so wie sie sollte Captain. Sie fing einfach ohne Grund an, Ärger zu machen."

"Ohne Grund?", schrie Jenna. Halbherzig versuchte sie sich aus Peters Griff zu befreien, der instinktiv fester wurde.

"Das reicht jetzt. Bringen sie die Dame in mein Büro, Detective."

"Zu Befehl, Captain."

Halb tragend, halb ziehend schleppte Peter die noch immer zeternde Jenna in Captain Simms Büro.

*************

Der Streit rief noch jemand auf den Plan. Kermit saß wie erstarrt vor seinem Computer. Die Stimme kannte er doch? Ihm fiel dazu nur ein Name ein: Jenna. Mit aller Macht kehrten seine Schuldgefühle zurück. Er sprang auf und hetzte aus seinem Büro. Dabei sah er gerade noch, wie Peter eine Nutte in Captain Simms Büro schleppte. Kopfschüttelnd zog er sich zurück. Da musste er sich wohl getäuscht haben. Die Jenna, die er kannte sah anders aus und gleiche Stimmen gab es wohl wie Sand am Meer.

Seine Gedanken wanderten um zwei Jahre zurück. Wie so oft musste er wieder an sie denken. Nachdem Jenna abgereist und er wieder aus seiner Versenkung aufgetaucht war, hatte Kermit einen erbitterten Streit mit seinem Freund Peter gehabt. Kermit hatte seine Schimpftirade wortlos entgegen genommen. Doch als Peter ihn noch einen Feigling genannt hatte, war es zum Kampf gekommen. Die Folge waren blutige Gesichter bei beiden und Kermit fühlte sich noch viel schuldiger. Zerknirscht musste er sich eingestehen, dass Peter recht gehabt hatte und er hatte mal wieder jemanden schwer enttäuscht, der ihm zumindest zum Teil vertraut hatte. Das mit Peter hatte sich wieder eingerenkt, sie hatten anschließend ein langes Gespräch, doch bei Jenna hatte er sich seitdem nie wieder gemeldet. Er konnte ihr einfach nicht in die Augen sehen.

*************

Kaum stand Peter in Captain Simms Büro, ließ er Jenna los. Er griff in seine Hosentasche, um die Handschellen aufzuschließen und stellte verblüfft fest, dass sie ihm genau diese breit grinsend unter die Nase hielt. Den Trick kannte er bisher nur von seinem Vater.

"Wie hast du es geschafft, deine Handschellen so schnell zu lösen?", fragte er verblüfft.

"Dafür sind wir wohl jetzt nicht da", unterbrach Captain Simms die beiden. Sie streckte Jenna ihre Hand entgegen. "Zuerst einmal Herzlich Willkommen, Miss Carpenter. Und vielen Dank, dass sie uns helfen wollen."

Jenna erwiderte den Händedruck. "Keine Ursache, Captain Simms. Ich werde tun, was in meiner Macht steht. Allerdings brauche ich dazu noch ein paar Informationen."

"Die gebe ich ihnen gerne."

Die nächsten 20 Minuten verbrachte Jenna damit, aufmerksam zuzuhören und sich Notizen zu machen. Der Fall schien wirklich kompliziert zu sein, doch sie war sich sicher, hinter das Geheimnis kommen zu können. Nachdem sie Captain Simms noch ein paar Sachen mitgeteilt hatte, die sie benötigte, verabschiedeten sie sich.

Peter legte Jenna erneut die Handschellen um und führte sie zur Türe. Im Hinausgehen sagte er noch, damit es alle hörten: "Ich bring sie dann gleich dahin Captain."

Sobald sie sich außer Sichtweite des Reviers befanden und Peter keine Verfolger feststellen konnte, befreite sich Jenna erneut von den Handschellen und überreichte sie Peter.

"Das hast du sehr gut gemacht", lobte Peter.

Die junge Frau grinste von einem Ohr zum anderen. "Was meinst du nun. Die Handschellen, oder das Schauspiel auf dem Revier?"

"Beides. Den Trick musst du mir wirklich zeigen, ich habe das noch nie ohne Hilfsmittel geschafft."

"Och, das ist ganz einfach. Du musst dir nur vorstellen, wie der Schlüssel in das Schloss gesteckt wird und schwups, schon ist es offen."

Peter sah Jenna zweifelnd von der Seite an. "Wie kommt es nur, dass ich das nicht glauben kann? Du bist unglaublich, weißt du das?"

"Quatsch, ich habe nur ein wenig trainiert. Wenn du willst übe ich mit dir, doch ich bin davon überzeugt, dass dein Vater es genauso gut könnte."

Peter seufzte leise. "Damit hast du allerdings recht. Es scheint, als ob nur ich derjenige bin, der das nicht kann."

"Dafür kannst du andere Sachen", tröstete Jenna.

Unangenehm berührt, wechselte der Detective das Thema. "Hey, aber deine Show auf dem Revier war sehenswert. Wenn ich es nicht besser gewusst hätte, dann hätte ich tatsächlich angenommen du meintest das alles, was du sagtest."

"Würde ich nie sagen so etwas. Aber der Fall mit eurem Leck ist echt heftig."

"Wobei wir wieder beim Thema wären. Weißt du schon, wie du vorgehen willst?"

"Nö, eigentlich noch nicht. Ich muss eh erst warten, bis die Sachen geliefert werden und dann schauen, wie ich die Dinger anschließen kann. Ich befürchte fast, dass das bei deinem Vater nicht machbar sein wird."

Peter musste spontan an Kermit denken. Bei ihm würde die Installation in der Wohnung sofort klappen, doch er hütete sich, den Namen auszusprechen.

"Die Sachen werden eh an meine Wohnung geliefert. Wenn sie da sind, dann hole ich dich ab und du kannst dein Glück versuchen."

"Das heißt ich kann mich morgen Nachmittag auf einen Besuch von dir einstellen. Schön, dann habe ich noch ein paar Stunden Zeit. Mittlerweile bin ich nämlich hundemüde und kann nur noch an ein großes, warmes Bett denken."

"Arme, kleine Jenna.", bedauerte Peter, "Wir scheinen es wirklich auf dich abgesehen zu haben. Kaum bist du hier kommst du nicht mal zum Luft holen. Für heute hast du dir deinen Schlaf redlich verdient, dass muss ich sagen."

Wie zur Bestätigung gähnte Jenna. "Ich hoffe nicht nur für heute. Zwar brauche ich in der Regel nicht allzu viel Schlaf, doch ohne komm auch ich nicht aus."

"Wir sind ja schon da, dann kann das Baby ins Bett kriechen", spöttelte Peter, was ihm einen leichten Stoß in die Rippen einbrachte.

Knappe zwanzig Minuten später lag Jenna im Bett und schlief tief und fest.

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